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Jungborn


Im gleichen Jahr, in dem Adolf Justs Buch „Kehrt zur Natur zurück“ erschienen ist (1896), wurde der „Jungborn, Luftkurort, Lehranstalt für naturgemäße Heil- und Lebensweise“ im Harz eröffnet.

Die Naturheilstätte galt als die größte ihrer Zeit und beherbergte bis zu 350 Gesundheits-Suchende.

Just ließ die Kranken durch Aktivität und Lebensfreude an Ihrer Genesung mitarbeiten. Sie trugen luftdurchlässige Kleidung. Bewegung spielte eine große Rolle. Die Patienten wohnten in einer nach drei Seiten offenen Hütte. Die Ernährung war vegetarisch und sehr natürlich. Auf dem Speisezettel standen Rohkost, Obst, Gemüse, Beeren, Salate, Säfte und besonders Nüsse. 

 



Zu den prominentesten Besuchern gehörte Franz Kafka, der den Jungborn 1912 für drei Wochen besuchte und dadurch seine Schreibkrise kurierte. Kafka notierte in seinem Reisetagebuch: „Dieser alte, blauäugige Adolf, der alles mit Lehm heilt und mich vor dem Arzt warnt, der mir Obst verboten hat. (…) Nackte liegen still vor meiner Tür. Alle bis auf mich ohne Schwimmhosen.(…) Heute früh: Waschen, Müllern, gemeinsames Turnen, Singen einiger Choräle. Ballspiel im großen Kreis(…).

Auch Emanuel Felke war Gast im Jungborn. Er war von dem Konzept so begeistert, dass er später einen eigenen Jungborn in Bad Sobernheim gründete.

Jungborn Anwesen





Im Jahr 1908 übergab Adolf Just die Leitung des Jungborn an seinen Bruder Rudolf.

Die Jungborn-Idylle währte bis Anfang der 40er Jahre und wurde durch den 2. Weltkrieg beendet. Nach dem Krieg wurde der Jungborn zur Lungenheilstätte, stand danach wieder leer und diente Ende der 50er Jahre noch mal als Altersheim. Mit dem Mauerbau kam 1961 das endgültige Aus.